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Heimatverein
 Bericht Nr. 413 
25.08.2021

Rundgang durch Quinx

Bericht: Richard Senden, Fotos: Franz-Josef Heuser

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Bei strahlendem Sonnenschein machten sich 12 Interessierte auf den Weg. Neben der Bushaltestelle an der Kreuzung Verlautenheidener / Endstr. standen wir auf dem Standort der alten Verlautenheidener Kirche, die auch für Quinx zuständig war. Mit einem Blick Richtung heutiger Feuerwache konnte man die Größe der Ortschaft in früheren Zeiten abschätzen. Dahinter, auf dem Gelände der Straßenmeisterei, stand früher der Commandeurshof (Heiderhof), die Keimzelle von Verlautenheide von vor 1400. Von dort aus entwickelte sich langsam die Ortschaft entlang der Hauptstraße, später mit den Seitenzweigen Endstraße und Kleinheidstraße.

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Wenige Meter weiter entstand im Bereich von Verlautenheidener Str. 104-106 in den 1420er Jahren eine Grenzbefestigung des damaligen „Aachener Reiches“: der Landgraben und das Verlautenheidener „Türmchen“. Hieran erinnert eine Schautafel des Heimatvereins.

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Schaut man die gegenüberliegende Quinxer Str. lang, so sieht man linkerhand die Häuser und die dahinterliegenden Gärten im Bereich des ehemaligen Landgrabens. Mit der Auflösung des „Aachener Reiches“ durch die französischen Eroberer um 1800 verlor die Grenze ihre Bedeutung, das Land wurde an Bauern verkauft, gerodet und bewirtschaftet. Später entstanden die Wohnhäuser.

Das „Türmchen“ war ein aus Bruchstein gemauerter Wachtturm an einer Durchfahrt durch den Landgraben. Um 1800 wurde es ebenfalls verkauft: an Wilhelm Rouette, der vorher zeitweise Bürgermeister von Weiden war, zu dem Quinx nun gehörte. Er ließ hier ein stattliches Wohnhaus errichten, die „Villa Dobbelstein“, daneben einen Wirtschaftshof. Johann Peter Dobbelstein erbte die Villa über seine Frau, eine Rouette-Enkelin. Im Krieg wurden die Gebäude stark zerstört. Nahe vom Türmchen, in der Waldstraße, wurde 1844/45 eines der ersten Wohnhäuser in Quinx errichtet. Der Erbauer Heinrich Hermann war ein Bergmann, der zum Bau des Nirmer Tunnels aus dem Hessischen hergekommen war und eine Einheimische geheiratet hatte. Seine Töchter verkauften später an den Küster Franz Robertz, dessen Nachkommen noch heute dort leben (Waldstr.12).

Von hier ging die Gruppe auf den Weg „Zur Scheidmühle“, früher auch Haarener Weg und Mühlenweg genannt. Den kreuzt ein alter Weg von Verlautenheide nach Nirm (heute „Im Hesselter“). Hier stand um 1900 nur 1 Haus: Quinx 98a/Qx 3. Bis 1944 folgten 3 weitere, die alle Bezug zur Familie Hansen in der Kleinheidstr. hatten (Qx 3 II, 3 I, 30). An obiger Kreuzung bogen wir links ab in einen schmalen Trampelpfad, der Fortsetzung von „Im Hesselter“. An dessen Ende bogen wir links ab auf den ansteigenden Prunkweg. Auf der Weide rechterhand, oberhalb von Nirm, muss nach meinen Recherchen bis um 1800 das Quinxhäuschen gestanden haben, eine Eremitenstation.

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Jenseits der Kalkbergstr., hinter der Siedlung „Schwester-Zita-Weg“, lag seit vor 1800 eine offene Grube, wohl ein Galmei-Bergbau. Möglicherweise war dies die „große Wolfskuhle“, die in alten Karten vermerkt ist. Der von links kommende Wirtschaftsweg zur Waldstr. hatte früher eine leicht versetzte Fortsetzung nach rechts, der heute durch Verkippen von Grünabfällen unkenntlich geworden ist. Hier konnten Verlautenheidener und Quinxer zu den oberhalb von Nirm gelegenen Steinbrüchen am Knauelsbüschchen (früher: Quinckelsschlack) gelangen.

Die zwischen Prunkweg und Waldstr. gelegenen Ländereien waren vor 1800, wie das übrige Quinx, noch Teil des Reichswaldes, auch wenn er hier wohl sehr licht stand und eher Heideland glich. Damals war nur ein kleiner Teil außerhalb vom Landgraben, der Türmchen-Besitz, landwirtschaftlich genutzt. Wahrscheinlich sind in der Franzosenzeit (1797-1814) größere Bereiche beiderseits von Waldstr., Verlautenheidener Str. und Quinxer Str. privatisiert und landwirtschaftlich nutzbar gemacht worden. Zwischen Prunkweg und Waldstr. entstand „Schümmer-Land“, es gehörte dann Cornel Schümmer und seinen 3 Söhnen Wilhelm, Leonard und Matthias. Durch Erbteilungen war der Besitz bis 1866 schon stark zersplittert.

Im hintersten Bereich hiervon, angrenzend ans Bergbaugelände am Herrenberg, scheint Cornel Schümmer mit anderen Beteiligten um 1845 eine Art „Entwicklungsprojekt“ geplant zu haben. Parzellen wurden neu zugeschnitten und nacheinander Häuser erbaut (1846-nach 1866) und verkauft: heute Prunkweg 134, 136, 144, 146. Am Knick vom Prunkweg (hinter Nr.134) wurde der alte Grenzverlauf zwischen Eilendorf und dem „Aachener Reich“ bzw. Weiden-Quinx erläutert, der hier geradlinig entlang einer Mauer und durchs Maar bis zum Nirmer Tunnel führt. Deshalb muss der gut erhaltene alte Grenzstein, der in eine Gartenmauer bei Prunkweg 99??? eingebaut ist, verlagert worden sein.

Das Bergwerkgelände am Herrenberg ist inzwischen von Blicken abgeschirmt. Dort ist immer noch ein Restsee (Maar) und das „Teehaus“ vorhanden. Hier war zeitweise ein Ausflugsziel für Nachbarorte. Jenseits vom Maar steht das Haus Prunkweg 85, das frühere Haus Jansen-Collet. Im Grundbuch ist es ab ca. 1843 unter dem Namen Niclas Jansen eingetragen. Es gibt noch unbewiesene Aussagen, dass das Haus viel älter sei und als Schmiede zum Bergbaubetrieb gehört habe. Die Anhöhe hinter dem Haus Richtung Aussichtspunkt, der Knopp, soll früher Halde des Bergbaubetriebes gewesen sein. Das gilt auch für das Gelände auf der Rückseite des Maars, ortseinwärts rechterhand der Waldstr. vor Beginn der „Reichswaldsiedlung“.

Die „Reichswaldsiedlung“ war ein Erschließungsprojekt der Gemeinde Broichweiden in den 1960ern. In den 1990ern folgte dann die Erschließung der „Großheidstraße“. Dadurch ist inzwischen fast der gesamte Bereich zwischen Waldstr. und Verlautenheidener Str. in Quinx baulich erschlossen.

An der Verlautenheidener Str. wurden Probleme der früheren Hausnummerierung von Quinx angesprochen. Bis 1903 standen ortseinwärts linkerhand 4 Gebäude, die alle die 107 trugen (107, 107a-c; das heutige Haus Linden, die Häuser von Wilhelm + Josef Quarten und der Schümmer-Hof). Quinx 108 war der Haarenerhof (erbaut 1855/56), Qx 110 das Wöllgens-Haus (Vh Str. 115), Qx 112 die Kaussen-Gaststätte (Vh Str. 189), Qx 114 das Forsthaus Weiden (erbaut 1865/66). Die Qx 113 trugen mehrere Häuser nördlich der heutigen Verlautenheidener Str. und der Quinxer Str. (113, 113 a-g), in einem Baugebiet rund um 1900 (es gab sogar eine 117f !). Mit der Neunummerierung von Quinx vor 1911 wurde dieses Problem aufgelöst.

Vor 1840 standen in Quinx nur 2 Wohnhäuser: das Türmchen und das Kelmeshaus vom Bergwerk am Herrenberg. Um 1910 war Quinx eine Ortschaft mit mindestens 44 Häusern. Heute erkennen Ortsunkundige den Übergang von Verlautenheide nach Quinx nicht mehr: beide Orte sind zusammengewachsen.





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