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Heimatverein

Projekt Mahlwerk

MühlradMühle

Restaurierung des Mahlwerkes in der Welschen Mühle

Arbeitskreis:Welsche Mühle
Leiter:Karl Pütz
Mitglieder:Helmut Vondenhoff, Josef Keldenich, Josef Hüllenkremer

Die Stadt Aachen hat im Jahre 2006 das verfallene Mühlenrad der Welschen Mühle, die aus dem 16. Jahrhundert stammt, erneuern lassen. Daraufhin setzte sich ein Arbeitskreis des Heimatvereins Haaren/­Verlauten­heide zusammen und überlegte, ob es möglich sei, die Mühle wieder zum Mahlen zu bringen. Anfang 2007 begann dieser Arbeitskreis, das Mahlwerk zu überholen. Im Herbst 2008 war die Mühle wieder flott und das Mahlwerk funktionstüchtig. Bei einem großen Mühlenfest wurde wieder Mehl gemahlen und die erfolgreiche Restaurierung gefeiert.

Über die Mühle und das Mahlwerk-Projekt berichtet Karl Pütz im Jahr 2008:

Die Welsche Mühle im Stadtbezirk Haaren ist die einzige noch existierende Kornmühle in der Stadt Aachen. Sie wird vom Wasser des Haarbachs gespeist. Neben der Welschen Mühle gab es noch am oberen Haarbach die Kahlgrachtmühle, die heute noch als Gebäude existiert, jedoch kein Mahlwerk mehr besitzt.

Die Welsche Mühle hat ihren Namen nach dem Bürgerhauptmann Nicolaus Leonard Charlier, der im 18. Jahrhundert Eigentümer der Mühle war, der wahrscheinlich aus dem französischen Sprachraum stammte und in Belgien Eigentum besaß. Er wurde wohl deshalb als der "Welsch" bezeichnet und der Name auf die Mühle übertragen.

Die Welsche Mühle stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde im Lehensregister des Schleidener Lehens erstmals 1424 erwähnt. Die Eigentümer sind bis zum Übergang der Mühle an die Stadt Aachen bekannt. Die letzte Müllerfamilie war die Familie Horbach, die den Hof und die Mühle 101 Jahre bewirtschaftete, bis sie 1972 die Mühle verließen. Am Haarbach befand sich eine Schleuse, durch welche die Mühle über einen Mühlengraben mit Wasser versorgt wurde. Es bestanden 2 Teiche: Ein Reserveteich (an der Stelle wo heute die Haarbach­tal­halle steht) und der eigentliche Mühlenteich.

Nach dem Krieg 1939/1945 waren die Mühle und die Gebäude in einem sehr schlechten Zustand. Die Mühle wurde nur in geringem Umfang betrieben. Viele alte Haarener erinnern sich noch an diese Zeit, da sie auf den Feldern die liegen gebliebenen Ähren aufsammelten, in Kopfkissen "gedroschen" haben, und die Körner zu "Hary Horbach" in die Mühle brachten und sie dort zu Mehl mahlen ließen. Anschließend brachte man das Mehl zum Bäcker und bekam adäquat für das Mehl Brot. Bis zum 18. 6. 1961 wurde noch hin und wieder gemahlen, meistens Schrot für Viehfutter. An diesem Tag wütete ein Unwetter über den nördlichen Teil des Aachener Tales und der Haarbach schwoll zu einem reißenden Fluss an. Haaren wurde überflutet und es entstanden große Schäden. Auch die Schleuse am Haarbach, die das Wasser für den Mühlengraben anstaute, wurde durch die Gewalt der Wassermassen zerstört. Damit war das Schicksal der Mühle besiegelt. Ohne Wasser konnte man nicht mehr mahlen. Nach und nach zerfielen Mühlrad und Wasserrinne, aber auch die Gebäude.

Mit Beginn der 60'er Jahre stellte die Gemeinde einen Bebauungsplan auf, der um das Gebiet Welsche Mühle Wohnbebauung vorsah, wobei die Mühle abgerissen werden sollte. Die Mühle und die Flächen wurden vom Kreis Aachen gekauft, und es kam der Gedanke auf, die Welsche Mühle zu erhalten. Die Gemeinde Haaren sollte Mühle und Grund "geschenkt" bekommen, wenn sie sich verpflichtete, die Mühle zu restaurieren. Der Hauptausschuss akzeptierte das "Geschenk" unter der Bedingung, dass das Mühlengebäude erhalten bliebe, ansonsten aber in Neubauten Gemeindebücherei, Altenstube und evtl. Räume für die Jugend untergebracht werden. Der Kreis akzeptierte dies und übernahm die Planung. 1969 wurde über die endgültige Planung und die Finanzierung mit Landschaftsverband, Landeskonservator Regierung und Gemeinde Haaren beraten und beschlossen. Die Gemeinde Haaren kam in den Besitz des Anwesens und am 8. 6. 1971 wurde die Baugenehmigung erteilt.

Mitte 1971 war abzusehen, dass die Gemeinde Haaren nach Aachen eingemeindet würde. So wurde schon frühzeitig mit der Stadt Aachen über das Projekt verhandelt. Da der Kreis Aachen nicht mehr weiter tätig sein wollte, übernahm die Stadt Aachen die Bauleitung bis zur Fertigstellung der Mühle. Das Mühlengebäude wurde vollständig entkernt und die alten Tür- und Fensteröffnungen wieder freigelegt. Das alte Mahlwerk wurde erhalten und restauriert, so dass, wenn wieder Wasser über das Mühlenrad läuft, auch wieder Mehl gemahlen werden könne. Es war geplant, 1977 den Mühlengraben wieder herzustellen, damit die Mühle wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden konnte, nämlich Mehl zu mahlen.

Trotz ständigem Nachbohren der Bezirksvertretung Haaren ist der Mühlengraben nicht wieder hergestellt worden. 1972 wurde im Haarbach eine Pumpe eingebaut, die Wasser in den Mühlenteich pumpen sollte. Mit dem geförderten Wasser sollte gemahlen werden. In einer kleinen Feier sollte am 9. 5. 1972 die Mühle wieder in Betrieb genommen werden. Der Sohn des letzten Müllers, Servatius Horbach, sollte mahlen. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Mahlwerk in einem so schlechten Zustand war, dass es unmöglich war zu mahlen. Der Versuch wurde eingestellt. Und so gammelte seit dieser Zeit das Mühlrad vor sich hin, bis zum Jahre 2005.

Die Bezirksvertretung beschloss, aus ihren Mitteln ein neues Mühlrad anfertigen zu lassen. Die Zimmerei Starmanns stellte mit viel Liebe und handwerklichen Geschick ein neues Mühlrad her, und es ziert seit 2006 die Welsche Mühle.

Nur, damit konnte noch immer nicht gemahlen werden, denn der Mahlstuhl mit dem Mahlwerk war noch in dem gleichen Zustand wie 1972.

Und nun trat der Heimatverein Haaren/­Verlauten­heide auf den Plan. Es wurde darüber diskutiert, ob es denn richtig sein kann, dass mit so viel Geld ein neues Mühlrad eingebaut worden ist und an dem Mahlwerk niemand Hand anlegen würde. Die Intention war doch seinerzeit, die Mühle wieder in den Stand zu versetzen, dass dort Mehl gemahlen werden könne.

Aber offensichtlich scheiterte es immer an Geld. So fanden sich 2006 einige handwerklich geschickte und "mutige" Männer des Heimatvereins zusammen und erklärten sich bereit, sich mit dem Mahlwerk zu beschäftigen und zu versuchen, die Mühle wieder in Betrieb zu nehmen. Die Bezirksverwaltung wurde angeschrieben und in einem Ortstermin unsere Vorstellungen vorgetragen. Auch das zuständige Hochbauamt und der Denkmalschutz wurden eingeschaltet und, nachdem von allen Seiten freudige Zustimmung erfolgte, wurde mit viel Optimismus an die Sache herangegangen. Je nach Erfordernis waren ständig 3 bis 6 Helfer bei der Sache. Es wurde sich zunächst mit der Technik des Mahlwerks und der Standfestigkeit auseinandergesetzt und festgestellt, dass hier einige Verstärkungen notwendig waren. Die Zähne des Antriebsrades waren ausgebaut und lagen unsortiert im Mahlstuhl. Auch fehlte eine Anzahl Zähne. Lager waren ausgelaufen und mussten erneuert werden und das größte Fragezeichen war: Wie sieht der Mahlstein aus? Nach dem Kennenlernen der Technik der Mühle und dem Verstehen um die Zusammenhänge, wurden Schritt für Schritt die Teile eingebaut, die die Statik des Mahlstuhls verbessern sollten. Die Zähne – 56 – wurden wieder in das Kammrad eingesetzt wobei das Problem darin bestand, dass wir die ursprünglichen Positionen nicht kannten, da die Zähne nicht gekennzeichnet waren. So mussten mehrmals Zähne wieder ausgetauscht werden. Für das Verteilrad wurde ein neues Lager eingebaut. Es wurde ein neuer Lagerbock, auf dem die Achse des Ritzels sitzt, eingebaut. Das Ritzel mit der Achse, die den Mühlstein antreibt, wurde ausgebaut und die Achse plangedreht. Der Hebezug für den Mühlstein wurde an die richtige Stelle versetzt, sodass beide Mahlsteine abgehoben und geprüft werden konnten. Der untere wurde sicher in einem Betonbett gelagert und der obere Mahlstein auf die Achse gesetzt.

Die vielen kleinen Dinge sind im Einzelnen kaum aufzuzählen. Es traten immer wieder neue wenn auch kleine Probleme auf, die gelöst werden mussten. U.a. stellte sich heraus, dass beim damaligen "Restaurieren" kein Ablauf für das gemahlene Mehl vorhanden war. An zwei bis drei Tagen in der Woche wurde von den Aktiven immer in der Mühle gewerkelt. Nachdem das Mahlwerk wieder zusammengebaut war, konnte man so langsam darangehen, das Mahlwerk in Betrieb zu nehmen. Sehr vorsichtig ging man an die Sache heran. Bald musste man feststellen, dass man mit dem Wasser aus dem Mühlenteich Mühlrad und Mühlstein in Bewegung setzen konnte, solange nicht gemahlt wurde. Mahlen war mit dem wenigen Wasser nicht möglich. Ein versierter Ingenieur der Gruppe hatte bereits zu Beginn ausgerechnet, dass mindesten 1200 Liter Wasser/Min nötig war um zu mahlen. Doch woher nehmen? Wer hilft in allen Fällen? Die Feuerwehr natürlich. Die Haarener Wehr unter ihrem Löschzugführer Manfred Hahn war sofort bereit uns zu helfen. So wurde nach und nach durch verschiedene Pumpen die für das Mahlen notwendige Wassermenge erreicht. Und am Donnerstag den 7. 8. 2007 das erste Mehl gemahlen.

Um also in Zukunft für interessierte Bürger und vor allem Schulen und Kindergärten die Mühle in Betrieb zu setzen, muss also noch das Problem Wasser gelöst werden. Wir hoffen, dass das gelingt und die vielen Stunden, die die Männer des Heimatvereins für die Mühle geopfert haben, nicht umsonst waren.

Es ist noch notwendig Danke zu sagen:

Ohne die uneigennützige Hilfe von Handwerkern und Transportbetrieben wäre die Restaurierung der Mühle nicht möglich gewesen. An erster Stelle ist die Firma Holz Starmanns zu nennen, die uns nicht nur Holz zur Verfügung gestellt, sondern auch alle notwendigen Bearbeitungsarbeiten vorgenommen hat. Die Schlosserei Wilhelm Lothmann, die jederzeit für die vielfältigen Schlosserarbeiten zur Stelle war und die uns bei manch kniffeliger Arbeit unterstützt hat. Der Instalateur und Heizungsbauer Helmut Dohlen, der viele Stunden bei der Abdichtung des Mühlenrades geholfen hat. Die STAWAG, die uns die Achse abgedreht hat. Die Firmen Schenker und Lüth Möbeltransporte, die den Abtransport des nicht gebrauchten Mühlsteins finanziert haben. Ihnen allen gilt unser Dank.

Danken möchten wir aber auch der Bezirksvertretung, die uns finanziell unterstützt und uns immer wohlwollend begleitet hat, wie auch dem Bezirksamtsleiter Hüllenkremer, der immer ein offenes Ohr für uns hatte.

Wir freuen uns, dass wir die Mühle am 28. 9. 2008 nun endgültig der Öffentlichkeit übergeben können und hoffen, dass auch das Problem mit dem "Wasser" bald gelöst sein wird.


Soweit der Bericht von Karl Pütz.

Nachtrag:

Das Wasserproblem lies sich in der Folge dadurch lösen, dass vor dem Mahlen der Mühlenteich etwas höher aufgestaut wurde, damit eine Zeit lang mehr Wasser zur Verfügung steht. So konnte über Jahre hinweg der Mühlenbetrieb immer wieder vorgeführt werden: beim Denkmaltag, beim jährlichen Mühlenfest und zwischendrin zum Beispiel für interessierte Schulklassen.

MahlwerkSchulklasse

Inzwischen ist allerdings das Mühlrad erneut marode und unrund und ist die Achse gebrochen, so dass der Mühlbetrieb erneut ausgesetzt werden musste. Wir hoffen, dass sich auch hier eine Lösung finden wird.


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