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Heimatverein
 Bericht Nr. 293 
25.08.2015

Aachen nach 1945, Vortrag von Michael Prömpeler

Bericht: Helmut Vondenhoff

Von der Melaten-Gesellschaft Aachen konnten wir einen jungen Vortragenden für dieses Thema gewinnen, er selbst hat die Nachkriegszeit nicht erlebt, hat aber mit Architektur-Studenten die Situationen und Geschehnisse in dieser Zeit recherchiert und in verschieden Beiträgen aufgearbeitet. Heraus gekommen ist dabei ein Buch mit dem o.g. Titel und eine genaueste Schilderung dieser für uns, die es miterlebt haben, schrecklichen und entbehrungsreichen Zeit. Aachen wurde im Oktober 1944 als erste deutsche Stadt von der nationalsozialistischen Herrschaft befreit. Am Ende des Krieges lagen mehr als zwei Drittel der Stadt in Trümmern, wie und in welcher Form sollte Aachen nach dem Krieg wieder aufgebaut werden? Alle städtischen Funktionen – Industrie, Infrastruktur, Wohnhäuser und historisch bedeutende Bauwerke – lagen in Trümmern, insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg 65% des Wohnraumes der Stadt Aachen zerstört. Es fehlen Baufachleute, Werkzeuge, Transportmittel und vor allem Materialien, ohne die der Wiederaufbau kaum möglich ist. Zudem stehen nur Pferdefuhrwerke zur Verfügung, Bahnstrecken und Gleise sind durch die enorme Zerstörung eingleisig und teilweise gar nicht befahrbar, Eisenbahntransport ist fast unmöglich. Es fehlt an Baggern und Räumgeräten jeder Art, man versucht die Straßen mit Schaufeln zumindest wagenbreit passierbar zu machen. Es entstehen riesige Schuttdeponien, der Begriff „Trümmerfrauen“ entsteht weil eben kurz nach Kriegsende kaum Männer in Aachen leben und arbeiten. Berndt Deubner, Flüchtling und Kaufmann, beginnt unternehmerisch mit der Trümmerbeseitigung und Trümmerverwertung. Aachen ist nach Kriegsende mit ca. drei Millionen Kubikmetern Trümmerschutt bedeckt. Deubner unterbreitet der Stadt einen Vorschlag eine Trümmerverwertung ein zu richten und aus dem Material wolle er Bauteile aus Ziegelsplitt herstellen. Die Stadt stimmt zu, erteilt dem technisch Unerfahrenen 1948 die Lizenz und sichert ihm die volle und wirksame Unterstützung der sich langsam entwickelnden Behörden und Ämter zu. In den ersten Nachkriegsjahren beschäftigten allein der Bau von Notunterkünften und die Wiederherstellung von zerstörten Häusern die Aachener Bevölkerung. Die Entwicklung des Wohnungsbaus kam nur schleppend in Gang, sobald die erste Not behoben war, bewirkte der allgemeine Wunsch der Aachener ein eigenes Dach über den Kopf zu haben, dass am Hörnhang die erste Kleinsiedlung entstand, in Haaren die Siedlung Kremerstraße und später die Atzenbenden. Es hat fünf Jahre und zwei Ansätze gedauert, bis die öffentliche Präsentation der Neuplanung der Stadt Aachen stattfinden konnte. Im Jahre 1948 konnte Dr. Wilhelm K. Fischer als neuer Leiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Aachen die Neuplanung in Angriff nehmen, innerhalb von zwei Jahren stellte Dr. Fischer einen Bebauungsplan für die Stadt auf. Fischer stand das Wohlbefinden der Bürger und Bewohner Aachens im Vordergrund, er wählte einen Kompromiss zwischen „Alt und Neu“ – Gestaltung. Eckpunkte seiner Planungen bezogen sich auf Infrastruktur und Verkehr, Industrie und Wirtschaft und Aachen als Kultur-Kurort und Hochschulstadt. Insgesamt hat Aachen nach dem zweiten Weltkrieg im Wiederaufbau einen moderaten Mittelweg zwischen Erhaltung und Neuplanung eingeschlagen, dabei wurden auch viele Ansätze für eine autogerechte Stadt umgesetzt, breite Straßen und Umgehungsringe zeugen heute davon. Bedeutende Gebäude und Einrichtungen wie Elisenbrunnen, Stadttheater, Friedrich-Wilhelmplatz, Kirchen wie St. Johann, in Burtscheid, St. Foillan und der Aachener Dom waren schwer beschädigt bis zerstört. Schulen, Bildungseinrichtungen, kulturelle Stätten, alles fiel unter Neu- oder Wiederaufbau. Bürger der Stadt Aachen, Planer, Architekten, Baufachleute, Handwerker, Lehrkräfte, Studenten, sie alle haben seit Kriegsende dazu beigetragen, dass Aachen wieder zu einer weltbekannten Größe wuchs. In aller Welt nicht nur als Stadt des Reitsports, als Industriestadt, als Hochschulstadt, als Badestadt, als Europa – und Kaiserstadt mit großem kulturellem und geschichtlichem Hintergrund, nein auch als lebensfrohe und lebenswerte Stadt heute gilt. 70 Jahre nach Kriegsende sind zwar nicht alle Spuren der Verwüstung und Vernichtung verschwunden, die Erinnerung an diese Zeit vergeht, ebenso wie die Menschen die es noch erlebt haben. Wichtig aber ist dass sich heute auch noch junge Menschen mit dieser Vergangenheit beschäftigen, sie aufarbeiten und niederschreiben und als Dokument uns zur Verfügung stellen.

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Volle Besucherzahl beim Vortrag von Michael Prömpeler, Aachen nach 1945

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1944, die Amerikaner auf der Jülicher Straße, Höhe Glasfabrik Kinon, nahe an Haaren

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Deutsche Wehrmachtsoldaten in der Josef-von-Görres Straße auf dem Weg in Gefangenschaft

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Das Aachener Rathaus nach der Zerstörung, Trümmer lagen meterhoch


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Der Aachener Unternehmer Deubner bei der Wiederaufbereitung der Trümmerberge

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Titelbild der amerikanischen Zeitung „Yank“ aus Aachen am 24.Juni 1945

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Der erste Karnevalszug nach 1946 in Aachen inmitten von Trümmern

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Der Vorsitzende Helmut Vondenhoff bedankt sich bei Michael Prömpeler für den Vortrag






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