28.08.2018

Vortrag von Herrn Pfarrer Armin Drack

Bericht und Fotos Heinz-Hubert Lillot

Am 28.8.2018 gegen 19:00 Uhr wurde Pfarrer Armin Drack vom Vorsitzenden des Heimatvereins Haaren/Verlautenheide vorgestellt. In Köln geboren, aufgewachsen und mit dem Ziel in Aachen seit 1992 seine christliche Aufgabe wahrzunehmen, gelang es ihm, hervorragende Akzente zu setzen. Z. B. bei der kathol. Heiligtumsfahrt, Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, die z. B. verantwortlich zeichnet für, die „Nacht der offenen Kirchen“ und das „Weihnachtsliedersingen auf dem Tivoli“. Sein Umgang mit Menschen und seine humorvolle Art, die Dinge des Lebens zu erklären, waren wohl die Grundlage, ihn zum Träger des Krüzzbrür-Ordens zu berufen.

Sein Vortrag beschäftigte sich mit den religiösen und politischen Umwälzungen in der freien Reichsstadt Aachen und den Gründen, die letztendlich auch zur Reformation durch Martin Luther und andere führten.

Parrer Drack

Als junger Mönch zweifelte und verzweifelte Martin Luther an seinem Glauben. Die erlösende Botschaft fand er in der Bibel. Seine Erkenntnis widersprach aber der damaligen kirchlichen Lehre, und der Theologe Luther äußerte deutlich seine Kritik. 1517 veröffentlichte er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel und wollte damit eine Reform seiner Kirche anregen. Die Bewegung, die er damit auslöste, ergriff nicht nur das kirchliche Leben, sondern auch alle Bereiche der Gesellschaft. Heute ist Martin Luther als Reformator und Begründer des Protestantismus weltbekannt.

Möchte man herausfinden, wie es zu diesem großen Umbruch in der römisch-katholischen Kirche kam, so ist der Beginn u. a. schon bei Karl dem Großen zu finden. Mit militärischer und politischer Macht und nicht mit Überzeugung wurde das Heilige römische Reich des Kaiser Karl aufgebaut. Es wurde eine Verbundenheit zwischen der weltlichen und der kirchlichen Macht hergestellt, die über Jahrhunderte andauern sollte. Aufgrund seines profunden Wissens konnte Herr Pfarrer Armin Drack dem Auditorium sehr viele Details aus diesen Jahrhunderten vermitteln. Er verstand es, die Anstrengungen der weltlichen und kirchlichen Mächte sachlich gekonnt zu kommentieren. Seine Darstellungen, auch noch hier und da humorvoll mit „kölschen Tönen“, den Zuhörern näher zu bringen, führte zu kurzweiliger jedoch informativer Aufnahme von Wissen. So erfuhren wir auch, dass bereits 100 Jahre vor Martin Luther es Reformen in der Kirche und dem Ständewesen gab. Verhindern konnte man nicht, dass die weltlichen aber auch die kirchlichen Instanzen durch Führen von Kriegen, geschicktes Verheiraten der Söhne und Töchter, Vergabe von Titeln und Ämtern und kaufen von Land und Truppen, ihre Macht ausdehnte. So ist es zum Teil nicht verwunderlich, dass auch die kirchlichen Fürsten versuchten, mit der „Freisprechung gegen Geld“, auch als „Ablassbrief“ bekannt, das Vermögen der Kirche zu vergrößern und damit weltliche Güter zu erwerben. Der Dominikanermönch Johannes Tetzel vertrieb den so genannten Petersablass. Das Geld sollte zur Fertigstellung des Doms in Rom dienen.

Hier lag der Grund für Martin Luther, als Seelsorger und akademischer Lehrer zu handeln und die Praktiken von Tetzel zu kritisieren. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 berühmten Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses. Wie uns Herr Pfarrer Armin Drack erklärte, sollten die Thesen ursprünglich zur akademischen Auseinandersetzung dienen. Durch den Buchdruck war es möglich, die Thesen Martin Luthers in Windeseile in ganz Deutschland zu verbreiten. Juni 1518 leitete die katholische Kirche eine Untersuchung mit dem Vorwurf der Ketzerei ein. Luther weigerte sich seine Thesen zu widerrufen und zweifelte einige Monate später die Unfehlbarkeit des Papstes und der Konzile an. Seine Schriften verbreiteten sich rasch, und seine Anhängerschaft nahm gewaltig zu. Er hat mit seiner Sichtweise die „Idee der Würde jedes einzelnen Menschen“ gebahnt. Das Wissen von Pfarrer Armin Drack zur weltlichen und kirchlichen Historie schien unerschöpflich. Er konnte uns noch vieles aus und zum Leben von Martin Luther erzählen.

Zur Entstehung und zum Leben der evangelischen Bewegung in unserer Region und in der Reichsstadt Aachen bis in das 18. Jahrhundert trug er noch anschauliche Aspekte vor; sie mündeten in der Feststellung, dass es gerade in den ersten 100 Jahren der evangelischen Bewegung in Aachen nicht nur religiöse Gegensätze gab, sondern auch ein friedliches Miteinander und Nebeneinander der verschiedenen Glaubensrichtungen - was erst mit dem 30jährigen Krieg sein Ende fand. Ein Ausblick auf das gemeinsame Miteinander von Konfessionen und Religionen für unsere Zukunft schloss den Vortrag ab.

Fragen aus dem Auditorium wurden von ihm sehr gerne beantwortet. Uns wurde bewusst, dass dieser Abend nicht ausreichen würde, ein so großes und komplexes Thema in Gänze vorzutragen. Ich würde mich freuen, wenn Herr Pfarrer Armin Drack einen weiteren Vortrag über Martin Luther und die evangelische Kirche ab dem 16. Jahrhundert im Heimatforum halten würde. Herzlichen Dank für einen informativ und interessant gestalteten Abend.

Zuhörer
Vortrag