15.11.17 Führung zu den Bunkern auf dem Ravelsberg

von Helmut Vondenhoff

Schon in seinem Vortrag am 27.06.2017 über den „Bloody Ravelsberg“ im Heimatforum vor über 50 Gästen wusste Volker Dederichs aus Würselen seine Zuhörerschaft zu fesseln. Er hat wohl wie kein anderer aus unserer Region das Thema rund um die Eroberung von Aachen und die Kämpfe um Würselen, Verlautenheide, Haaren, (Kruzifix-Hill) und letztendlich den Ravelsberg bearbeitet und erforscht. Mit ihm konnte der Heimatverein das abgeschlossene Gelände des Nato-Tanklagers auf dem Ravelsberg besuchen und die ehemaligen Bunkeranlagen besichtigen. Strenge Auflagen für die Besucher/innen ließen erkennen, dass es sich bei dem Besuch um ein militärisches Schutzgebiet handelte. So bekamen wir auch nach der Begrüßung auf dem Gelände Herrn Schunk von der Abtei-lung Sicherheit zur Seite gestellt der uns begleitete und unauffällig auf die Einhaltung der Vor-schriften achtete. Volker Dederichs begann seinen Exkurs mit der Schilderung der Gefechtslage mit Beginn Oktober 1944. Die Kämpfe um den Ravelsberg zogen sich bis Mitte Oktober hin und brachten auf beiden Seiten den kriegsführenden Gegnern die größten Verluste an Mensch und Material. Der Mythos vom Westwall, der zum „unüberwindbaren Bollwerk aus Beton & Stahl“ hochstilisierten Festungsanlage, veranlasste die 1. US-Armee am Stadtrand von Aachen anzuhalten. Nachschubprobleme verzögerten den Weitermarsch. Da die Amerikaner seit der Landung in der Normandie sehr schnell und zügig vorankamen, erreichten sie den Bereich um Aachen viel früher als erwartet. Zu diesem Zeitpunkt war die ohnehin lückenhafte Bunkerkette der 1. Westwall-Linie (Scharnhorst-Linie) nur mangelhaft besetzt und munitioniert und zudem in manchen Gebieten  nicht zur gegenseitigen Deckung in der Lage. Die eingesetzten deutschen Soldaten waren versprengte, zu junge oder zu alte. Viele Soldaten mit Ostfronterfahrung waren daher zur Verteidigung eingesetzt. US-Gen. Courtney H. Hodges befahl,  Aachen zu umgehen und im Norden einzukesseln. Dazu sollte die - 1st US InfDiv („Big Red One“, Gen. Huebner) von Osten über Verlautenheide, Haaren („Crucifix Hill“) und Ravelsberg vorrücken und die - 30th US InfDiv („Old Hickory“, Gen. Hobbs) von Westen über Gulpen-Simpelveld bei Rimburg die Wurm überqueren, den Westwall durchbrechen und über Herzogenrath vorstoßen. Die Operation gelang mit blutigen Verlusten. Die massiven Bunkergruppen auf dem Haar- und Ravelsberg forderten erbitterte Kämpfe. Auch der Vormarsch durch das einschneidende Wurmtal mit seinen bunkergespickten Steilhängen erwies sich als schwierig. Die hier verlaufende 2. Westwall-Linie („Schill-Linie“), erbaut von 1938-1939 als Limesprogramm, war oben in den Hängen des Wurmtals eingegraben. Die im Hang verlaufenden Schützengräben boten ein hervorragendes Schussfeld auf das westliche Wurmufer. Auf dem gegenüberliegenden Ravelsberg (Höhe 196) waren die Bunker zwischenzeitlich mal von deutschen, mal von amerikanischen Soldaten besetzt, manchmal von beiden Seiten gleichzeitig! Die heutige B57 am alten Bahndamm war das letzte Schlupfloch der Deutschen. Noch heute zeugen Laufgräben um die Bunker und Reste von sog. Foxholes, von amerikanischen Soldaten gegrabene Schützenlöcher, auf dem Ravelsberg von den Kriegsaktivitäten der damaligen Gegner. Mitte September 1944 standen sich beide InfDiv dann gegenüber, noch getrennt durch die Schneise der Straße nach Würselen. Einige Deutsche verschanzen sich noch in Bunkern, ein Chaos – das Vorgehen ein tödliches, ein Zickzack über die Anhöhe und die Krefelder Straße auf den Ravelsberg zu! Bunker 118 leistet hier bis zuletzt Widerstand. Ein Stoßtrupp wird zur Fühlung geschickt. Die Privates E. Krauss und E. Whitis , sind die ersten Amerikaner, die ihre Kameraden der K-Kompanie der 1st InfDiv auf dem Ravelsberg erreichen – vom Regen total durchnässt und erschöpft haben diese in den Foxholes ausgeharrt. Nun schütteln sie sich die Hände – der Ring um Aachen ist geschlossen. Volker Dederichs schilderte diese Kriegs- und  Kampfverläufe sehr berührend, sehr einfühlsam.  Seine Kenntnisse um die Nöte und Leiden der Soldaten, die hier kämpften und von denen viele hier ihr Leben für ihr Land ließen, waren auch für uns als Besucher und Zuhörer einer Nachkriegsgeneration Aufarbeitung von Geschichte und Erinnerung an eine schreckliche Zeit. Seine Worte zeugten von großem Respekt für den damaligen Gegner aber auch für die Verteidiger unserer Heimat. Seine Fachkenntnisse rund um die Bauart, Material, Größen, Einrichtungen, Verteidigungsstrategien, Entstehung der Bunker auf und um den Ravelsberg zeugen von intensivem Studium der Kriegsliteratur von beiden Seiten, insbesondere der amerikanischen Kriegsberichte. Die Schlacht um Aachen dauerte vom 12.09.1944 sechs Wochen und endet mit der Kapitulation des KK G. Wilck am 21.10.1944. Sie forderte hohe Opfer unter den Soldaten wie auch der Bevölkerung und zerstörte die Kaiserstadt zu großen Teilen. Doch sie war der Schlüssel zur Befreiung Deutschlands und damit die Vorbereitung auf die Demokratie. Nach dem Rundgang über den Ravelsberg dankten die Mitglieder des Heimatvereins dem sach- und fachkundigen Volker Dederichs aus Würselen für diesen lehrreichen Nachmittag mit viel Applaus und wiederum einer Spende für die Kirchenfahnen von Würselener Kirchengemeinden, deren Restaurierung und Erhalt er unterstützt.

29 Besucher/innen, die die Bunker auf dem Ravelsberg sehen wollten,
 ganz rechts Volker Dederichs

Zugeschüttete Bunker Richtung Scherberg-Würselen

Die Frontlage um Aachen Oktober 1944

Bunkeranlagen rund um den Ravelsberg

Von den Alliierten gesprengter deutscher Bunker

So sehen die Reste der ehemaligen Bunker aus