09.04.16 Wanderung Breinigerberg und Schlangenberg

von Helmut Vondenhoff

Wanderführerin Käthe Henn hatte dieses Mal einen Teil der sog. Stolberger Kupferroute für unsere Wochenendwanderung ausgesucht. Bei idealem Wander- und Heimatvereinwetter fuhren 19 Wanderfreunde/innen über Verlautenheide, Stolberg, am Nachtigällchen vorbei und Vicht zum Wanderparkplatz Breinigerberg. Unser Weg führte zum Teil über die Kupferroute. Sie ist eine  anspruchsvoll konzipierte Wanderroute und führt über rund 16 km Länge durch die abwechs-lungsreiche, landschaftlich reizvolle Umgebung der „Kupferstadt im Aachener Land". Auf idyllischen Wald- und Wiesenwegen entdeckt man die Hochfläche des Eifelvorlandes mit herrlichen Ausblicken auf die nahen Eifelhöhen und auf tief eingeschnittene Kerbtäler. Ähnlich wie der Begriff Kupferstadt bezieht sich der Name Kupferroute auf das in Stolberg hergestellte Messing. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Ausdruck „Kupferroute" auch insofern begründen, als dass dieser Wanderweg streckenweise über ehemalige Erzfelder führt. Hier wurde in früherer Zeit zwar nicht Kupfer oder Messing, wohl aber Galmei gefördert. Und Galmei ist der Stoff, aus dem einst Messing wurde. Besser noch würde man sagen: Es war der einzige Stoff (nämlich ein Zinkerz), aus dem man damals in Verbindung mit Kupfer Messing herstellen konnte. Vom Wald aus tun sich auf der Hochfläche immer wieder grandiose Ausblicke auf. Richtung Westen schweift der Blick über die Wiesen- und Weideflächen des Münsterländchens,  nach der Reichsabtei Kornelimünster, bis hin zum benachbarten Belgien, wo der gleiche Landschaftstyp durchaus treffend als Eupener Butterländchen bezeichnet wird. Der tief im Tal gelegene, von Wald umgebene Ortsteil Vicht wurde maßgeblich durch das früher hier ansässige Eisenhüttengewerbe geprägt. Zur Verhüttung nutzte man hauptsächlich den lokal anstehenden, sogenannten Vichttaler Eisenstein. Bis zum 19. Jahrhundert, als man statt Holzkohle Koks zur Eisenherstellung verwenden konnte, wurden zum Betrieb der Hochöfen große Mengen Holz-kohle benötigt, die aus Buchenholz der nahen Eifelwälder gebrannt wurde. Heute hat die Fichte die Buche als Holzlieferant abgelöst. Die Holzwirtschaft bestimmt nun das Gesicht des Breiniger Waldes. Gerade jetzt ist die letzte Holzernte zu Ende gegangen. Überall passierten wir große Holzlagerplätze. Obwohl der für die Ortschaft namengebende Vichtbach in trockenen Sommer-monaten einen recht bescheidenen Eindruck macht, war er in früherer Zeit Lebensader und Energielieferant für alle im Tal ansässigen Gewerbe, einschließlich der Stolberger Kupferhöfe. Nach Querung des Vichtbaches schlängelt sich die Kupferroute hinauf durch ein großes Waldgebiet zur ehemaligen Erzgrube „Breinigerberg" mit dem Naturschutzgebiet Schlangenberg, einer natürlichen Erhebung, deren Name sich von der Schlingnatter ableitet. Ausführliche Beschreibungen auf großen Lehrtafeln geben dem Wanderer bereitwillig Auskünfte über Geologie, Pflanzen- und Tierwelt der vor ihm liegenden Landpartie. Nach Aufgabe der Grube blieb das Betriebsgelände zunächst als Industriebrache zurück und wurde bis Ende der 1980er Jahre als Truppenübungsplatz genutzt. Seit 1990 steht das Gebiet unter Naturschutz und ohne jegliche Rekultivierungsmaßnahme entstand aus dieser ungeliebten Industriebrache ein wertvolles, schutzwürdiges Biotop mit erstaunlicher Artenvielfalt und hohem Freizeitwert. Der ursprünglich rein geogene Schwermetallgehalt der Böden bildete die Voraussetzung für das nacheiszeitliche Entstehen der hoch angepassten Galmeiflora mit dem gelbblühenden Galmeiveilchen, welches als einzigartige botanische Besonderheit weltweit nur in der hiesigen Region zu finden ist. Leider blüht es erst im Mai und es blieb uns deshalb noch verborgen. Was aber jetzt schon blühte, war der etwa ein halber Meter hohe rote Seidelbast. Eine Umrundung des Schlangenberges mit seinen typischen Gruben und Grabestellen nach Erzen und ausgefahrenen Panzerspuren, führte zum Ende unserer Wanderung an den jetzt nahe gelegenen Parkplatz, von dort aus wir uns eine Einkehr im Vichter Landhaus gönnten. Käthes Wandervorschlag fand den Gefallen aller und ihr gebührte unser Dankschön.

19 Wanderer/innen im Breiniger Wald
Schöne breite Waldwege laden zum wandern ein
Holzwirtschaft bringt Geld für die Kommunen
Man singt hier noch das Lied der hohen Tannen
Wichtige Informationen aus erster Hand
Wanderführerin und Oma Käthe Henn mit Enkelin Paula aus Hamburg
Unser Ziel, der Schlangenberg
Anhöhe, Grube und Abraumhalde zugleich