15.03.16 Vortrag Bäderbetrieb und Leben in Burtscheid

von Helmut Vondenhoff

Seit Jahrtausenden fließt klares sauberes Wasser aus der Eifel unterirdisch auf Aachen zu, steigt am Aachener Bruch, einer Felsverwerfung, wieder hoch und bringt aus der Tiefe mineralisch angereichertes Wasser mit einer Temperatur zwischen 60 und 70 Grad hervor. Schon Kaiser Augustus wusste diese Annehmlichkeit der heißen Quellen in Burtscheid zu schätzen. Die Römer waren es, die die lange Tradition des Badewesens und der Badekuren in Burtscheid entwickelten und prägten. Schließlich waren sie es, die einmal am Tag ausgiebig in kleineren und größeren Gruppen zusammen badeten. Michael Prömpeler, ein waschechter Burtscheider, vermittelte in gekonnter Weise sein Wissen über Burtscheid, über die Geschichte und das Badewesen des Ortes am heutigen Abend an die zahlreichen Besucher-/innen des Heimatforums. In humorvoller Art kommentierte er die Bilder der ereignisreichen und kulturellen Vergangenheit Burtscheids. Hauptbestandteil des kirchlichen und kulturellen aber auch des wirtschaftlichen Lebens war die Abtei, die im Jahre 997 von Gregor von Kalabrien gegründet wurde. Bis zum Jahre 1220 waren es die Benediktiner, die das Klosterleben bestimmten. Danach kamen die Zisterzienserinnen nach Burtscheid, die ab 1351 eine enge Verbindung zu Aachen hielten und auch außerhalb Burtscheids Ländereien besaßen bis hin zum Vijlener Wald in Süd-Limburg. Doch Aufschwung und Blüte verdankte Burtscheid hauptsächlich den heißen Thermalbädern und zahlreichen Kureinrichtungen, die Besucher und Gäste über Jahrhunderte anzogen. War es doch bis in das 13. Jahrhundert hinein üblich, dass beide Geschlechter gemeinsam badeten. Die Obrigkeit versuchte, dieses per Dekret zu unterbinden.  Aber erst im 15. Jahrhundert konnte diese Anordnung durchgesetzt werden. In 1688 gab es noch 15 öffentliche Badehäuser in Burtscheid, die alle recht gut besucht und in denen unter anderem auch Krankheiten behandelt wurden. Eine weitverbreitete Krankheit zur damaligen Zeit war die Malaria, die durch Textiltransporte und weiteren Mitbringseln aus südlichen Ländern nach Burtscheid und Aachen eingeschleppt wurde. Internationale Gäste ließen auch in den Thermalbädern galante Erkrankungen behandeln. So war die Syphilis die häufigste Ursache der Krankheitsbilder, die man in Burtscheid gerne behandeln ließ. Es war die Zeit, wo der anerkannte Badearzt Blondel in Burtscheid und Aachen neue Bäder und Kureinrichtungen schuf. Später gründete eine Stiftung in 1853 das Marienhospital, anfangs nur für katholische Patienten bestimmt,  jedoch 1924 erweitert und auch für Nichtkatholiken zugänglich und offen. Burtscheid veränderte im 19. und 20. Jahrhundert sein Gesicht. Eine ausgedehnte Bebauung für Wohnbedarf und Industrie vergrößerte den Ort; Hotels, Kurheime für internationale Gäste erfuhren exklusive Ausstattungen. Durch hohes Steueraufkommen erworbenen Reichtum Burtscheids veranlasste die Stadt Aachen schließlich, den Ort mit seinen reichen und heißen Thermalquellen am 1. April 1897 einzugemeinden und sehr zum Leidwesen seiner Bürger zu einem Stadtteil Aachens zu machen.

Thermalwasserbrunnen im Herzen Burtscheids

Burtscheid und die Abtei gehören zusammen

Unds wieder volles Haus beim Vortrag

Berühmter Badearzt in Aachen und Burtscheid

Die Römer begründeten das Badewesen

Altes Bild von Burtscheid wieder entdeckt

Burtscheid vom Grün umgeben, mit beiden Kirchen

Dankesworte an Michael Prömpeler