19.05.15   „Haaren damals“ , Bilder aus dem Pfarrarchiv

von Helmut Vondenhoff

 


Aus dem Pfarrarchiv St. Germanus erhielten wir mehrer Fotoalben zur Bearbeitung und zur Sicherung der einmaligen Dokumentation die vermutlich vom früheren Kaplan Rangs angelegt wurden. Für die Generation die nach dem Kriege in Haaren aufwuchs, eine Fundgrube an Erinnerungen mit schönen und z.T. traurigen Bildern mit vielen zerstörten Gebäuden in Haaren. Der Vorsitzende des Vereins führte die eindrucksvollen Bilder einem interessierten und ortskundigem Publikum mit vielen detaillierten Bildinformationen in einem zweistündigem Vortrag vor. Bilder aus den 50er Jahren zeigten den Haarener Markt, die frühere Bachstraße die nach Verlautenheide führte, die damals sogenannte kleine Kirchgasse wo der Schuster Johann Diederen eine Werkstatt unterhielt, die alte Schule mit der Comos Wiese davor, auf der später der Kindergarten und das Jugendheim gebaut wurde. Hinter der Hefefabrik gab es noch entlang des Haarbaches die Sturms Wiesen auf denen im Winter die großen Flächen voll Wasser standen und nach entsprechendem Frost und Minustemperaturen den Kindern und Jugendlichen zum Schlittschuhlaufen dienten. In der Zeit gab es noch ausgedehnte Wiesen und Felder in ganz Haaren die noch von florierender Landwirtschaft und Bauerntum zeugten. Der Bau der Autobahn durch Haaren und Verlautenheide hat dabei manchem landwirtschaftlichen Betrieb den Garaus gemacht, Flächen und Eigentum wurden z.T. weggenommen, geteilt und somit eine wirtschaftliche Nutzung nicht mehr sinnvoll machte. Der Autobahnbau mit der riesigen Haarbachtalbrücke brachte zwar dem Ort im Durchgangsverkehr eine Beruhigung, schaffte auch vorübergehend Arbeitsplätze an der ehemaligen Reichsautobahntrasse, veränderte aber das Gesamtbild von Haaren sehr entscheidend. Haaren und St. Germanus sind seit der Pfarrtrennung von St. Sebastianus Würselen seit 1623 untrennbar verbunden. Zeichnungen der ersten Kirche die im Jahre 1704 von Pfarrer Nikolaus Fibus erweitert wurde, lassen erahnen, dass die Zahl der Einwohner und Gläubigen in Haaren nicht sehr groß waren. Erst im Jahre 1889 wurde ein neuer größerer Kirchenneubau neben der alten kleinen Kirche begonnen. Nach Plänen des Kreisbaumeisters Heinrich van Kann wurde unter der Leitung von Pfarrer Josef Loerper bis zum  Jahre 1892 die neue Kirchen errichtet und vom damaligen Bischof von Köln eingeweiht. Bei den Angriffen auf Aachen wurde ein Großteil von St. Germanus zerstört, eine Ruine ohne Turmhelm blieb übrig, den Rückkehrern aus der Evakuierung bot sich ein trostloser Anblick. Doch unter Pfarrer Engelbert Willms begann ein erster zarter Neuanfang des Pfarrlebens mit Notkirchenräumen und Aufräumarbeiten im zerstörten Kirchenraum. 1952 wurde auf der Burgstraße, von Würselen kommend, Pfarrer Johannes Dupont von der Haarener Bevölkerung als neuer Pastor herzlich begrüßt, unter seiner tatkräftigen Leitung und mit der großartigen Unterstützung durch Haarener Unternehmer, Architekten, Verwaltung und letztendlich der Haarener Bürger selbst, wurde aus der ehemaligen Ruine wieder ein ahnsehnlicher Kirchenbau mit Turmhelm und Schieferdach. Bilder zeigen deutlich die Aktivitäten der Pfarrgemeinde, Kinderkommunionen, Fronleichnamsprozessionen mit vier Ortsaltären, 25 jähriges Priesterjubiläum von Pastor Dupont, das Aachener Friedenskreuz in Haaren, den Martinszug und den Kindergarten Josefshaus in der Hauptstraße. Hier wirkte in der Nachkriegszeit mit den Ordensschwestern die unvergessene Käthe Junker, von den Kindergartenkindern liebevoll nur Tante Käthe genannt. Kaplan Rangs verabschiedete sich aus Haaren, viele Haarener Bürger begleiteten ihn zu seiner neuen Pfarrstelle in Schmidt in der Eifel, wo er in St. Mokka die Pastorenstelle übernahm. 1968 stiftete ein ehemaliger Haarener Bürger, Karl Josef Schroeder, auf Grund eines Gelöbnisses, der Pfarre und der Gemeinde Haaren eine Kapelle. Auf dem Haarberg entstand in einjähriger Bauzeit die sog. Friedenskapelle, die am 30.11.1969 feierlich eingeweiht wurde. Im Jahre 1972 erhielt ein Haarener Bürger eine nicht unerhebliche und nicht erwartete Rentennachzahlung, diesen Geldbetrag vermachte er der Pfarre zum Kauf einer neuen Glocke. Er selbst wollte als Spender nicht genannt werden, aber bald wusste der ganze Ort dass Nikolaus Vonderbank, allgemein ob seines gewaltigen Schnurrbartes, nur als der „Schnauz“ in Haaren bekannt, und als Multi-Vereinsmitglied in fast allen Haarener Vereinen zu Hause, der edle Spender war. So durfte er denn in der Eifeler Glockengießerei Brockscheid bei Daun, und in St. Germanus die ersten Klangproben mit sanften Hammerschlägen nehmen. Eine Menge Erinnerungen kamen in den Besuchern bei Betrachtung der Bilder aus dem Pfarrarchiv hoch, viele hatten doch die Zeit nach 1945 in Haaren miterlebt, die Zerstörungen, die Not, den Zusammenhalt in der Bevölkerung, den Wiederaufbau und das Entstehen eines neuen Pfarr- und Gemeindelebens in Freiheit. Die jüngeren Besucher unter uns staunten nicht schlecht wie es einmal in Haaren ausgesehen hat und wie es einmal war:  „Haaren damals“.

 

Der Vorsitzende des Vereins mit seinem Bilder-Vortrag „Haaren damals“
Wieder volles Haus im Heimatforum, das Thema zog viele Haarener an und zu uns
Hans-Bert Kalz, geborener Haarener zu Besuch aus Kelmis, Haarener Bilder locken
Bilder aus dem Pfarrarchiv von St. Germanus, Haaren in der Nachkriegszeit
Gelände an der Welschen Mühle mit Blick auf den Haarbach und die spätere Haarbachtalbrücke
So sah unsere Kirche St. Germanus nach dem Kriege aus, rechts Brauerei Klinkenberg
Das Aachener Friedenskreuz 1950 in Haaren, getragen von Haarener Jungmännern
Pastor Dupont kommt 1952 nach Haaren, wird Pfarrer in St.Germanus