21.03.15  Besuch  der Stellwerke und des Bahnhofs Raeren

von Helmut Vondenhoff

Beim Besuch in der Welschen Mühle am Denkmaltag 2014 lernten wir Manfred Hirtz kennen. Er kümmert sich mit einigen Gleichgesinnten um den Erhalt und die Pflege der historischen Stellwerke auf dem Gelände der belgischen Eisenbahn und der ehemaligen Vennbahn in Raeren. Mit ihm verabredeten wir einen Besuchstermin der Anlage,  und 19 Interessierte des Vereins fanden sich trotz „Schmuddelwetters“ am Bahnhof in Raeren ein. Manfred Hirtz bot uns eine ausgezeichnete Führung über das Gelände der belgischen Bahn und erklärte uns jedes wichtige Detail der beiden noch vorhandenen Stellwerke. Der Bahnhof Raeren mit seinen technischen Anlagen ist noch größtenteils im originalen Zustand erhalten und ein Zeugnis der Eisenbahngeschichte des 19. Jahrhunderts. Er ist Teil der so genannten Vennbahn, der ehemaligen Eisenbahnstrecke zwischen Aachen und Luxemburg über Monschau und St. Vith. Der recht großzügig angelegte Bahnhof Raeren ging mit der Eröffnung der Vennbahn von Stolberg/Rothe-Erde in Richtung St. Vith im Jahr 1885 in Betrieb. Bereits im Jahr 1887 wurde der Bahnhof Raeren an eine zweite Bahnstrecke angeschlossen. Neu hinzu kam die Verbindungsstrecke von Raeren nach Herbesthal, die Raeren den Anschluss an die Hauptstrecke Aachen-Lüttich brachte. Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages wurde der Bahnhof Raeren mit Wirkung vom 28.02.1921 zum Grenzbahnhof Belgiens in Richtung Deutschland. Die mechanischen Stellwerke in Raeren sind jene der ersten Generation. Es gibt  zwei Stellwerke, die aus der Erbauungszeit des Bahnhofs 1885 stammen. Sie sind noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Die Signale der Stellwerke in Raeren nach Roetgen oder Eupen wurden zwischen 1885 und 1942 eingebaut und weisen zwei verschiedene Bauarten auf. Auf dem Westkopf des Bahnhofs (in der Nähe des Stellwerks Cab. SII) sind deutsche Signale rechts der Gleise angebracht. Dieses deutsche System wurde auch nach der Grenzverschiebung beibehalten, obwohl ansonsten in Belgien bei der Eisenbahn Linksverkehr herrschte. Die beiden Ausfahrsignale Richtung Deutschland sind allerdings eine rein belgische Bauform. Diese Flügelsignale deutsch-belgischer Mischbauform sind Ausdruck der wechselvollen Geschichte Ostbelgiens. Das Weichenbild der Gleise hat durch neuere Rückbaumaßnahmen stark gelitten. Es sind jedoch noch einige Kreuzungsweichen mit den mittig angelegten Zungenriegeln, der Saxby-Anlage, erhalten, so dass eine Demonstration der Stellstangenbewegungen mit Weichenstellung nach Aussage von Experten noch möglich ist. Die Stellstangenbündel und Stelldrähte zeigen die Anbindung der Weichen und Signale an das Stellwerk. In den ersten Signalanlagen wurden die Weichen und Riegel auch über die Distanz von mehreren 100 m mit starken Gestängeleitungen umgestellt. Diese Art erfordert zur Korrektur der Längenschwankungen Temperaturausgleichshebel. In dieser Anlage ist diese aufwendige Antriebsform noch erhalten. Am Stellwerk gehen in Richtung Bahnhof elf Gestängeleitungen ab, die nach Abzweigungen weniger werden. Ein solch großes Bündel ist selten. Eine technische Meisterleistung,  die uns immer wieder erstaunte, die bis ins kleinste Detail durchdacht und ausgereift war. So stellten sich die Stellwerke in Raeren dar, sehr gut präsentiert von Manfred Hirtz.

 

Das Bahnhofsgebäude in Raeren, große Vergangenheit, ungewisse Zukunft
Stellwerk I in Raeren, im Regen besucht
Relativ kleine Stellwerkseinrichtung mit Hebelvorrichtung
Mechanische Betriebselemente, über 100 Jahre alt, noch voll funktionsfähig
Mechanische Umlenktechnik zur Steuerung der Weichenstellungen
Mechanische Umlenktechnik kommt von oben aus dem Stellwerk
Stellwerk mit Signalanlagen in Raeren
Im Stellwerk II, größere Anlage für umfangreichere Streckensteuerungen