11.02.15   Besichtigung St. Johann Baptist in Burtscheid

von Helmut Vondenhoff

 


Die Fusion der Kirchengemeinden hat auch vor Burtscheid nicht Halt gemacht. Nach der Fusion vom 01.  Januar 2010 wurde aus St. Michael, St. Johann-Baptist, St. Gregorius und Herz Jesu die neue Pfarre in Anlehnung an den Gründer der Abtei Burtscheid: St. Gregor von Burtscheid. Der Heimatverein erhielt eine Einladung zur Besichtigung des Abteischatzes von St. Johann, der seit März 2003 in einem Flügel des 1654 erbauten Kreuzganges stilvoll untergebracht und damit der Öffentlichkeit zugänglich ist. Reinhold Begaß, eines der Mitglieder der Pfarrei, die sich um Erhalt, Führungen und Öffentlichkeitsarbeit kümmern, begrüßte unsere Gruppe in der Kirche St. Johann und gab uns eine Einführung in die sehr lange Geschichte der ehemaligen Abtei. Im Jahre 997 holte Kaiser Otto III. einen Abt namens Gregor aus Kalabrien (Süditalien) nach Aachen. Im nahen Burtscheid gründete er ein Benediktinerkloster; Kalabrien unterstand damals dem byzantinischen Kaiser. So findet man auch im Kirchenschatz einige Kostbarkeiten, die eine enge Verbindung Burtscheids mit Byzanz zeigen. Seit 1999 ruht die Asche Gregors in einer Urne im Hochaltar von St. Johann. Um 1220 übernahmen Zisterzienserinnen, die überwiegend aus dem umliegenden Landadel kamen, das mittlerweile verwahrloste Kloster und brachten es wie-der zur Blüte. Die erste romanische Klosterkirche entstand 1016, im 14. Jahrhundert wurde sie durch eine gotische Hallenkirche ersetzt. Im Jahre 1736 plante der Aachener Stadtbaumeister Joh. Jos. Couven den barocken Prachtbau, der aus chronischem Geldmangel aber erst 1754 vollendet wurde. 1794 wurde das Kloster als Folge der franz. Revolution säkularisiert. Die Abtei ging in Staatseigentum über. Während der französischen Besatzungszeit wurde die ganze Inneneinrichtung vernichtet. Der Abteischatz war währenddessen sicher in einem Pferdestall in Burtscheid versteckt. 1806 wurde die ehemalige Abteikirche durch Bischof Berdolet zur 2. Pfarre Burtscheids. Im letzten Krieg brannte die Kirche mit ihrer hölzernen Kuppel völlig aus. Nur die Außenmauern ragten noch aus den Trümmern. Der Abteischatz war während des Krieges sicher unter einer Kellertreppe eingemauert und überstand die Angriffe unversehrt. Mitte der 50er Jahre wurde St. Johann mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel originalgetreu nach Couvens Plänen wieder aufgebaut. Reinhold Begaß führte uns anschließend durch den Kreuzgang und durch die gesicherte Schatzkammer und ließ uns an deren Pracht und Schönheit des Kirchenschatzes teilhaben. Die große Menge der hier gezeigten Kostbarkeiten lässt keine detaillierte Beschreibung zu, aber sie ist es sicher wert, aufgelistet und besichtigt zu werden. Als da sind bei den liturgischen Geräten: ein Barockkelch von 1781, Messkelch mit Doppelkreuz, Messkelch von 1832, Ziborium von 1760, Messkännchen, Weihrauchfass von 1703, Lavaboteller und Messkännchen von 1625 und 1633, Neugotische Monstranz aus dem 19.Jahrhundert, Neoromanischer Kelch von 1832, Sonnenmonstranz von 1785, Barockmonstranz von 1737 und eine Turm-Monstranz von 1619. Daneben sahen wir ausgestellte Reliquiare wie das Büßerkleid der Margarete von Schottland, etwa 14.Jahrhundert, Altarkreuz von 1740 mit Reliquienkapsel, Urkunde und Kaufvertrag von 1747, ein Fußreliquiar aus dem 14.Jahrhundert, ein Bergkristall-Reliquiar, das älteste Stück des Abteischatzes, 10.Jahrhundert. Bernhardus-Reliquiar von 1865, das Äbtissinnen-Kreuz aus 1230, die Nikolaus-Mosaik-Ikone, stammt aus Konstantinopel, etwa 1180. Die Evermanns-Büste etwa 1700, Laurentius-Büste entstanden etwa 1280, die Johannes-Büste entstand etwa 1370. Weitere Kostbarkeiten unter den zahlreichen wertvollen Ausstellungsstücken sind Messgewänder wie die Rote Samtbrokat-Kasel aus 1720, und den 3 Blausamt-Kaseln, Dalmatiken aus der Zeit um 1370. Auf den 3 barocken Gewändern sind außerordentlich kostbare, über 640 Jahre alte gestickte Bildmedaillons mit 61 Bildern und Motiven aus dem alten und neuen Testament zu sehen. Bei den hier vorgefundenen Schätzen und Kostbarkeiten der früheren Abtei Burtscheid ist es nur allzu verständlich, dass die Räumlichkeit der Schatzkammer von besonderen Sicherheitsmaßnahmen geschützt und bewacht wird. Erfreulich ist, dass unsere alte Aachener Traditionsfirma Theodor Stacke die Tresortüre zur Schatzkammer erstellte und lieferte. Dazu kamen Überwachungssysteme und ein Sicherheitsdienst, der die wertvollen Ausstellungsstücke immer im Auge behält. Unter dem Eindruck solcher dargebotenen Pracht und Schönheit aus vergangenen Jahrhunderten im Besitz des Klosters und der Kirche dankten wir Herrn Reinhold Begaß und der Pfarre St. Gregor von Burtscheid für die ausgezeichnete Führung. Es war für unsere Gruppe ein Erlebnis diesen Kirchenschatz zu besichtigen. 

 

Alte Ansicht der Abtei Burtscheid mit der Kirche St.Johann
Unsere Besuchergruppe, wie immer stark interessiert
Der Altar von St. Johann stammt aus dem Besitz des Aachener Domes
Sicherheit für die Kirchenschätze durch unsere Aachener Traditionsfirma Theodor Stacke
Büste des Bernhard von Clairvaux, Reliquiar von 1865, von Martin Vogeno
Die Sonnenmonstranz wurde 1785 für die Marienkapelle in Burtscheid geschaffen
Barockmonstranz von 1737 kam 1806 durch Pfarrer Beys an St. Johann
Blausamt-Kasel aus der Zeit um 1370, Priestergewand mit kostbaren Stickereien