20.05.14 Die Friedhöfe in unserem Stadtbezirk

von Helmut Vondenhoff

Vortrag von Franz-Josef Heuser

Franz-Josef Heuser begann seinen Vortrag mit der Vorstellung allgemeiner Bestattungsarten, die seit Jahrtausenden üblich und bekannt sind, mit Bildern aus Ägypten, dem Tal der Könige, Bilder erster Gräber im heutigen Frankreich, Grabkammern in Felsen und viele andere mehr. Das Friedhofswesen wie wir es heute kennen, hat auch eine mehrere hundert Jahre lange Entwicklung erfahren. Bekannter Weise legten unsere Vorfahren ihre Friedhöfe rund um die Kirchengebäude an. Ausnahmen bildeten da die "Pest-, Cholera- oder Leprafriedhöfe", die sich stets außerhalb der Ortschaften befanden. Bekanntestes Beispiel ist der Judenfriedhof Jerusalems, der außerhalb der alten Stadtmauer liegt. Die Juden begruben ihre Toten traditionell immer vor den Toren der Stadt.

Vielen Haarener Bürgern ist der Cholerafriedhof an der ehemaligen Burgstraße, heute Würselener Straße, noch bekannt. In der Wiese vor dem Wegekreuz nach Haal wurden ab 14.10.1832 die ersten Choleratoten beerdigt. Die bis vor einigen Jahren noch erhaltene Grabeinfassung und der Grabstein erinnerten an den Pfarrer Frank, der im Jahre 1835 an Cholera verstarb und hier beerdigt wurde. So lag auch der erste jüdische Friedhof Haarens vor den Toren des Ortes an dem ehemaligen Fuhrwerksweg am alten Kaninsberg in der Nähe des Haarener Kreuzes. Hier begruben die Haarener Juden von 1839 bis 1935 ihre Toten. Ab 2007 gibt es auf Haarener Gebiet auf der Hüls einen neuen jüdischen Friedhof. In Haaren und Verlautenheide gab es und gibt es bis heute insgesamt 8 Friedhöfe. Der erste bekannte Friedhof lag an der alten, kleineren  Vorgänger-Kirche von St. Germanus; bis 1878 wurde hier bestattet. Grabsteine in den seitlichen Mauern des Gotteshauses zeugen heute noch davon. Ein weiterer Friedhof  in Haaren entstand 1879 an der Friedenstraße. Der Belegungsplan "alter Friedhof" gibt Auskunft darüber, dass 1920 das Ende der Bestattungen sein sollte. Nur noch bestehende Familiengräber wurden zu Beerdigungen freigegeben. 1949 erfolgte die allerletzte Beerdigung im Familiengrab der Haarener Familie Verviers. Schon 1919 richtete die Gemeinde einen weiteren Friedhof an der Friedenstraße ein, weiter nördlich am Rethel-Bach, im Volksmund auch "Riehtel-Siefje" genannt. Hier begann die Erstbelegung 1919. Eine kleine Kapelle hatte bis 1967 ihren Dienst getan. Eine neue, größere wurde errichtet mit zwei großen Gedenktafeln für die Haarener Kriegstoten. Zu den normalen Bürgergräbern gibt es auch besondere Gräber für bekannte und verdiente Haarener Bürger, so für den früheren Bürgermeister Heuser, den Ehrenbürger Dr. Reuter, den früheren Kreisbaudirektor Heinrich van Kann, für die Haarener Pastöre Engelbert Willms, Johannes Dupont, ein Ehrengrab des Haarener Turnvereins sowie Kriegsgräber und letztendlich das Grab des früheren Reichstagsabgeordneten der KPD, Jakob Dautzenberg. Ab 1796 gab es auch in Verlautenheide eine kleinere Kirche mit Friedhof, wie man auf der Pepperhof-Karte von 1840 erkennen kann. Sie wurde 1879 erweitert und ausgebaut und schließlich 1944 vom Bombenhagel total zerstört. Schon 1923 begann man in Verlautenheide mit der Belegung eines neuen Friedhofes abseits der Kirche. In den Jahren 1971/72 errichtete die Gemeinde eine neue, größere Leichenhalle. Der Ortsteil wurde bevorzugtes Wohngebiet. Die Einwohnerzahl stieg entsprechend, die Nutzung des Friedhofes und der Anlagen auch. Besondere Gräber in Verlautenheide sind zum einen das Grab der legendären Schwester Zita, die viel für die Christengemeinschaft in Verlautenheide bewirkt hat, und zum andern für Pfarrer Wilhelm Rheindorf, dessen Wirken im Ortsteil auch unvergessen bleiben wird. Mit einem Blick auf alte Pläne und Karten der Friedhöfe in unserem Stadtbezirk schloss Franz-Josef Heuser den interessanten Vortrag und erhielt vom Forum den verdienten Applaus für seine ausführlichen Erklärungen und Deutungen.

 

Franz-Josef Heuser bei seinem Vortrag
Interessierte Zuhörer/innen im Forum
Gedenktafel des alten Kirchenhofes an St. Germanus
Alter Grabstein in der Kirchenmauer von St. Germanus
Beerdigungskultur in Haaren, mit H. Horbach
Zerstörte Kirche und Friedhof in Verlautenheide
Alter Friedhof in der Friedenstraße
Alter Judenfriedhof auf dem Kaninsberg