26.11.13   Vortrag von Karl Pütz, Gasthaus und Valentinskapelle in Haaren

von Helmut Vondenhoff

 


An der Westseite der Wurm, fast am Bachufer, stand auf der nördlichen Seite der Jülicher Straße eine Kapelle die dem heiligen Valentin geweiht war. Die Kapelle stand zwar auf Aachener Gebiet, gehörte aber zur Pfarre St. Germanus zu Haaren und war Eigentum der Gemeinde Haaren. Es war ein schlichtes, hauptsächlich in Ziegelmauerwerk ausgeführtes rechteckiges Gebäude, etwa 4,50 x 6,50 m groß. Eine größere Türöffnung war der Eingang und die einzige Lichtquelle, es gab keine Fenster. Auf einem mit Schiefer gedeckten Walmdach stand ein Glockentürmchen mit Glocke. Die Kapelle gehörte zum Haarener Gasthaus, einer wohltätigen Einrichtung die Jahrhunderte lang in Haaren bestanden hat, sie wurde Gasthaus St. Ägidius genannt. Heute weiß man nicht genau wo das Gasthaus gestanden hat, in einer alten Urkunde wird erwähnt, dass das Gasthaus gegenüber der Valentinskapelle, auf der anderen Straßenseite gestanden hätte. Beim Bau des Hauses des Dr. Emil Kremer (heute Alt-Haarener Straße 1), an der vorgenannten Stelle, wurden uralte Mauerreste gefunden die auch von Frau Kunigunde Kremer als mögliche Fundamente des ehemaligen Gasthauses gedeutet wurden. Karl Pütz stützte sich in seinem Vortrag, den er auch schon einmal im Jahre 2002 gehalten hatte, auf Forschungen und Ermittlungen von Hans Sturm, unserem ehemaligen Gemeindedirektor und Mitglied des Vereins. Des weiteren auf Veröffentlichungen des Aachener Geschichtsvereins der auch die Erkenntnisse  über die vorgenannten Gebäude über Jahrhunderte gesammelt und dokumentiert hat. Auch im Haarener Kirchenbuch von 1793 wird das Gasthaus im Unterdorf vom damaligen Pfarrer erwähnt. Da das Gasthaus zum ersten Mal im Jahre 1461 urkundlich erwähnt wird kann man davon ausgehen dass die Valentinskapelle gleich alt gewesen ist, denn 1582 wird berichtet dass die Kapelle baufällig sei und instand gesetzt wurde. 1724/25 ließ der damalige Pfarrer die alte Kapelle abreißen und eine neue bauen. Danach sind immer wieder bauliche Veränderungen nötig gewesen um die Kapelle zu erhalten, bis sie schließlich 1944 durch Artilleriebeschuss vollständig zerstört wurde. Ein Haarener Bürger setzt sich heute wieder für die Errichtung einer neuen Valentinskapelle in Haaren ein, als Spender und Sponsor möchte er die alte Tradition der ehemaligen örtlichen Valentinskapelle wieder aufleben lassen, zur Erinnerung an den hl. Valentin von Rom der am 14. Oktober 269 in Rom verstarb. Der Überlieferung nach war er ein armer ehrsamer Priester der ein blindes Mädchen geheilt haben soll. Er starb als Märtyrer und wurde grausam enthauptet weil er junge Paare nach christlichen Merkmalen und Gebräuche verheiratet hatte. Ab Mittelalter wurde er deshalb als Patron der Liebenden angesehen und verehrt. Das Gasthaus, eine Stiftung  einer vermögenden Familie, betrieb die Kranken- und Siechenpflege und unterstützte in erster Linie die Armen, verteilte Almosen und stellte Unterkünfte für mittellose Pilger und Reisende nach Aachen zur Verfügung. Gemessen an der damaligen geringen Einwohnerzahl in Haaren war auch das Gasthaus nur von entsprechender Größe. Finanziert wurde die Wohltätigkeit aus den Erträgen des umfangreichen Landbesitzes und der Bewirtschaftung der Felder. Durch Stiftungen und Schenkungen änderten sich Besitztum, was sich aber nicht änderte war, dass für das Seelenheil der ersten Stifterin und der weiteren Betreiber des Gasthauses für deren Seelenheil jährlich eine Messe gelesen werden musste. Früher wurden die Kosten für die Messe von der Gemeinde Haaren bezahlt, selbst nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1972 musste die Stadt Aachen für diese Kosten aufkommen, bis nach zähen Verhandlungen und auf Drängen der Stadt Aachen nach Jahren auch diese alte Tradition mit der Jahrtausendwende 2000 verschwand. In seinem Vortrag  konnte Karl Pütz viele Zusammenhänge und interessante Vorstellungen zwischen Gasthaus und dazu gehöriger Valentinskapelle aufzeigen, restlose Klärung über Standort des Gasthauses, Aussehen und Beschaffenheit wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Eine schöne Geste gegenüber unseren karitativen Vorfahren und deren Handelsweise war die Benennung einer neuen Wohnstraße in näherer Umgebung des ehemaligen vermuteten Standortes mit der Bezeichnung „Gastes“, sie soll uns an vergangene Wohltäter erinnern. Dort wo einst das Lager der EDEKA stand, wohnen und leben wieder Haarener deren Straße auf etwas Besonderes und Lobenswertes unserer Haarener Vergangenheit hinweist.

Eine kleine Schar aufrechter Besucher ist gespannt
Franz Josef und Egidius warten noch ab
Karl Pütz, ein letzter Griff zum Handy
Auch heute geht es noch mit Overhead-Projektor
Die Valentinskapelle Haaren
Die Valentinskapelle Haaren. rechts neben der Kapelle die Wurmbrücke
Erweiterung der Wurmbrücke. Im Hintergrund die Valentinskapelle