07.09.13   Fahrt mit Erik Fischer nach Lüttich

Erik Fischer, Sproß einer alten Haarener Familie und Bruder unseres früheren Geschäftsführers Ernst Fischer, hatte sich bereit erklärt, eine Gruppe des Heimatvereins durch die Stadt Lüttich zu führen. Aus Liebe zur Architektur und Kirchenhistorie in Belgien hat er umfangreiche Reisen, Besuche, Besichtigungen und Studien unternommen. Über Antwerpen, Gent, Brüssel, Brügge bis hin nach Lüttich und Eupen hat er sich Kenntnisse und Wissen in langen Jahren im Selbststudium angeeignet die ihn schon profihaft als Fremdenführer auftreten lassen. Da sich in Lüttich moderne und sehr alte Baukunst begegnen, begannen wir unseren Rundgang zuerst am neuen Lütticher Bahnhof Guillemins, erbaut im futuristischen und extravaganten Stil vom spanischen Architekten Santiago Calatrana und nach 13jähriger Bauzeit im Jahre 2009 fertig gestellt. Weiter ging der Weg durch die Stadt zum historischen Gebäude der Philharmonie und das wohl am meisten beeindruckende Kirchenbauwerk in Lüttich, St. Jacques, dem hl. Jacobus geweiht zur Ehre und Einkehr der Jakobuspilger auf dem Weg nach Santiage de Compostella. Die Kathedrale St. Paul , zwischen 959 und 971 erbaut, war bis 1797 Stiftskirche, erst nach der Zerstörung der Lambertuskathedrale 1794 wurde St. Paul zum Bischofssitz erhoben. Hier finden wir 6 Skulpuren des bedeutenden Bildhauers Jean del Cour der zwischen 1627 und 1707 lebte, seine Spuren und Werke findet man in vielen Kirchen Belgiens. Am Rande der Stadt besuchten wir St. Hyronimus, oder auch St. Denis, eine Wehrkirche mit Schießscharten aus dem 10. Jahrhundert, wurde später zum Ende des 17. Jahrhunderts zur Barockkirche umgebaut. Einladend ist heute der Place Lambert mit dem Freiheitsdenkmal, doch erinnert er auch mit einer Gedenktafel an den 13.12.2011, ein Amoklauf kostete damals 6 Menschen das Leben, darunter 3 Jugendliche und ein 17 Monate altes Kind. Gleich in der Nähe hatten wir die vor einem Jahr renovierte Oper und das das restaurierte Stadtviertel St. Michel. Von hier aus werfen wir auch einen Blick auf die St. Martinskirche von der 1246 die allererste Fronleichnamsprozession ausgegangen ist, Papst Urban IV. hat dann nach 1264 die Fronleichnamsprozession für alle Pfarrgebiete und Kirchen in Europa eingeführt. Sehenswert auch die Straße Hors de Chateau mit seinen Wohnhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert hier führt eine Treppe mit 373 Stufen zum Buerenberg hoch. Sie wurde Ende des 19.Jahrhunderts gebaut um den Soldaten den Zugang von der Zitadelle in die Stadt zu verkürzen. Die St. Batholomy Kirche beherbergt aus dem 12. Jahrhundert ein Taufbecken aus Messing getrieben, vom Künstler Renier von Huy, es stellt 5 verschiedene Taufszenen dar und stammt aus einer Nebenkapelle der ehemaligen Lambertuskathedrale, es zählt zu den 7 Wundern Belgiens. Was wäre ein Lüttichbesuch ohne Einkehr in eines der typischen Straßencafes an den zahlreichen Plätzen? Sehr entspannt und ohne französische Sprachkenntnisse, erhielten doch alle was sie gerne mochten und bestellt hatten, zufrieden und gut gelaunt machten wir uns wieder auf den Weg durch die Stadt. Wir waren aber nicht die einzigen Haarener an diesem Tage in Lüttich, Herbert Ludwigs mit Familie und Freunden ließen sich im Vorübergehen die köstlichen leckeren belgische Fritten munden, auch die muss man einfach vor Ort genießen. Erik Fischer führte uns anschließend in das fürstbischöfliche Palais das seit dem Jahre 1000 Sitz der Fürstbischöfe für die Maasregion war zu der auch Aachen bis 1802 gehörte. Der prächtige Palast, der Stolz der Lütticher, in dem heute Provinz- und Justizpalast untergebracht sind, verbindet harmonisch die Architektur des 16., 18. und 19.Jahrhunderts, kein Wunder dass Erik Fischer um so mehr ins Schwärmen geriet. Rathaus der Stadt Lüttich und das Museum der Wallonie in den Räumen des ehemaligen Menorittenklosters und der Antoniuskirche, waren ebenso sehenswert und fanden die Aufmerksamkeit unsere Besuchergruppe. Über die Rue de Feronstree, einer bekannten Lütticher Einkaufsstraße kamen wir zum Museum Ansemhang das nach den Plänen von Johann Joseph Couven im Jahre 1739 erbaut wurde zum Place Georg Simeon der hier mit einem Denkmal als Schriftsteller und berühmten Sohn der Stadt geehrt wird. An diesem Platz, auf der gegenüberliegenden Seite besteht immer noch die Häuserlücke die von einer gewaltigen Gasexplosion vor einigen Jahren in die Häuserzeile gerissen wurde und mehreren Menschen das Leben kostete. Bis heute ist noch nicht endgültig geklärt wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Hier endete unsere Stadtführung mit Erik Fischer durch Lüttich, eindrucksvolle Gebäude, imposante Kirchen und Geschichte des Landes, der Kurie, der Stadt und der Baugeschichte hat er uns in einer einzigartigen und sehr verständlichen Art näher gebracht, es war ein Erlebnis mit ihm in Lüttich unterwegs zu sein und seine Ausführungen zu hören.

Erik Fischer führt durch Lütticher Kirchen
Der Innenraum der Kirche St. Jaques
Schon zu Lebzeiten in Marmor gemeißelt
Manfred hat auch seine eigene Kirche
Das Denkmal für Georg Simeon
Der Provinzpalast, ehemals Sitz der Fürstbischöfe
Bis in die engsten Gassen gab es was zu sehen
 
Das Taufbecken aus dem 12.Jahrhundert