08.06.13 Fahrt nach Kalkar und Emmerich

von Helmut Vondenhoff

An den Niederrhein führte unsere diesjährige 1. Ausflugsfahrt die von Marlies Hilger und Klaus Dornseifer wieder organisiert und gut vorbereitet war. 55 Mitfahrer/innen wollten die Städtchen am Rhein mit ihrem Verein besichtigen und erleben. Schon während der Fahrt gab Klaus Dornseifer die ersten Informationen über das Gebiet des Niederrheins, einen geschichtlichen Rückblick über die Zugehörigkeiten der einzelnen Städte zu den Kreisen Wesel, Kleve, Moers und Geldern. Hauptziel war Kalkar, hier gibt es eine sichtbare Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die das grenznahe Städtchen zum reizvollen Ausflugsziel macht. Mehr als jede andere Stadt am Niederrhein kann Kalkar die Kunst des geplanten Städtebaus im Mittelalter als kompakte Einheit  präsentieren, die Atmosphäre einer mittelalterlichen, aber auch lebendigen Stadt begeistert die Besucher. Kalkar erhielt im Jahre 1242 Stadtrecht, sie sollte wichtige Handelsstraßen verbinden die weit in die Niederlande führten. Die größte wirtschaftliche Blüte erlebte die Stadt im 15. Jahrhundert, Wollwebereien, Handel, Schafzucht und nicht weniger als 42 Brauereien füllten mit ihren Erträgen und Abgaben den Stadtsäckel. Zeuge dieses Reichtums ist die großzügig geplante, und bis heute erhaltene Kulturdenkmal der Stadtanlage. Alte Treppengiebelhäuser umsäumen den Marktplatz, vielleicht der schönste am Niederrhein, und das den Markt beherrschende mächtige gotische Rathaus aus dem Jahre 1446. Dieses Rathaus zählt zu den eindrucksvollsten Bauten des ausgehenden Mittelalters, es übertrifft an Monumentalität und Umfang wohl alle spätgotischen Rathäuser nördlich von Köln. Auf dem mit Rheinkieseln gepflasterten Marktplatz erwartete uns unter der alten Gerichtslinde von 1545 der Stadtführer Horst Umdasch. Zwei Gruppen bildeten sich, die zum einen mit dem Besuch von St. Nicolai, einer gotischen Hallenkirche mit neun weltbekannten Schnitzaltären begann, zum anderen mit der Stadtführung und dem Besuch der historischen sehenswerten Gebäude anfing. Ein Gang durch den geschichtsträchtigen Ratskeller, heute ein Ort gepflegter Gastlichkeit ist dabei ein Muss, speisen in mittelalterlichen Umgebung hat man nicht alle Tage, wir erlebten und genossen es einige Stunden später. Das Museum der Stadt – ein altes Handelshaus von 1500 – ist im Innern wie im Äußeren in seiner ursprünglichen Form erhalten, neben einem Stadtmodell aus dem Mittelalter findet man Sammlungen von Bildern und Plastiken bekannter Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein besonderes Erlebnis für uns war natürlich der Besuch der historischen 36 m hohen Lohwindmühle am Hanselaerer Tor, ein Gebäude mit 8 Etagen und Böden im Innenraum. Errichtet wurde sie 1770 aus den Überresten eines abgerissenen Stadttores, als die Stadtbefestigung, Mauern und Türme als Schutzeinrichtung überflüssig wurden, gewannen die Kalkarer so viel historisches Baumaterial. Eine senkrecht stehende Mittelachse mit mehreren Kronrädern treibt über die riesigen Windflügel verschiedene Arbeitsbereiche der Mühle an, für Mühleninteressierte und Mühlenteams ein tiefer und lohnender Einblick in alte Mühlentechnik und Mühlenkunst.

Höhepunkt jeder Kalkar-Visite ist aber der Besuch der gotischen Hallenkirche St. Nicolai, aus dem Jahre 1409, die dreischiffige Pfarrkirche mit ihrem 70 m hohen Turm gehört mit ihren weltbekannten neun gotischen geschnitzten Altären aus Eichenholz, gotischen Skulpturen und Malereien um etwa 1500, zu den bedeutendsten  Kunstwerken des Rheinlandes. Nirgendwo auf der Welt findet man in solcher Fülle geschnitzte Heiligenfiguren, Darstellungen aus der Heilsgeschichte aus Eichenholz in dieser Größe und in diesem Umfang als hier in St. Nicolai. Am Rathaus und an der Nikolaikirche lässt sich auch heute noch der außerordentliche Wohlstand des mittelalterlichen Kalkar ablesen, der in erster Linie auf einer blühenden Wollwebereiindustrie, einer tüchtigen Kaufmannschaft und der Hansemitgliedschaft der Stadt beruht. Unser Stadtführer, Horst Umdasch, wusste als ehemaliger Lehrer bei dem Rundgang durch St. Nicolai Kunst und Geschichte hervorragend zu verbinden, es war eine Freude seinen Ausführungen zu folgen.

Im Jahre 1973 erfolgte der erste Spatenstich und der Baubeginn für den Schnellen Brüter in Kalkar, das AKW bei dem der Strom nicht aus der Steckdose kommen sollte. Es wurde gebaut und gebaut bis 1991 das „Aus“ für den „Schnellen Brüter“ kam, er ging nie ans Netz, schließlich verkaufte man das AKW an einen niederländischen Investor der die ganze Anlage in einen Freizeitpark umwandelte. Auf der Fahrt nach Emmerich machten wir hier einen Stopp um zumindest das Gelände und die Anlage aus der Nähe zu sehen. Hier, am Niederrhein, zwischen Kalkar und Emmerich besteht ein weit verzweigtes Radwanderwegenetz, viele Radwanderer nutzten bei „Heimatvereinwetter“ die Zeit nach dem Motto: „carpe diem“. In Emmerich angekommen, luden die breiten Rheinterrassen zum Verweilen ein, ein weiter Blick auf die Rheinauen bot sich den Grüppchen des Vereins, die die unterschiedlichsten Angebote vom Eis bis zur Pizza in den vielen Cafes und Restaurants in Angriff nahmen.  Der doch hohe Wasserspiegel des Rheins ließ uns an die Menschen in Bayern und im Osten des Landes denken, die wieder einmal unverschuldet durch lange Regenfälle und Hochwasser in sehr große und lebensbedrohliche Not geraten sind. Fernab davon schlossen wir unseren Tag ab und machten uns auf den Heimweg nach Haaren und Verlautenheide.


Der mittelalterliche Marktplatz in Kalkar
Rechts unser Stadtführer Herr Umdasch
Dreifensterhäuser aus dem Mittelalter,
gut erhalten und gepflegt, eine Zierde für die Stadt
Stadtmuseum Kalkar                Gerichtslinde aus 1545         Lohwindmühle von 1770
Führung im Ratskeller, 1,5 m tief im Boden
Speisen in mittelalterlichen Umgebung
Wunderschöne Eichenschnitzereien
Einer der neun noch vorhandenen Altäre
Friedliche Nutzung des AKW Kalkar
So schön kann auch ein Kühlturm aussehen
Die Rheinbrücke in Emmerich mit dem Fährmann
Rheinpromenade in Emmerich
Eine Rast in der Nachmittagssonne am Rhein

Ein Bierchen in Ehren kann niemand ..........